Der Einfluss von Corona auf den Immobilienmarkt



Experten sind sich einig, dass die Corona-Krise zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums in der Schweiz führen wird.

Der Immobilienmarkt reagiert im Allgemeinen zeitversetzt auf Veränderungen. Der Bau neuer Wohnungen oder anderer Gebäude kann nicht von heute auf morgen angepasst werden. Die Bildung neuer Haushalte dürfte schwächer ausfallen als in den vergangenen Jahren. Junge Menschen bleiben vielleicht etwas länger bei den Eltern wohnen oder ziehen in eine WG, statt eine eigene Wohnung zu nehmen.

Auch wenn Investoren jetzt auf die Bremse treten – wie das beispielsweise das Immobilienberatungsunternehmen Wüest Partner beobachtet –, werden bereits laufendende Bauprojekte deswegen wohl kaum gestoppt. Das bedeutet aber, dass ein weiterer Anstieg der Leerwohnungsbestände zu erwarten ist. Gleichzeitig dürften die Angebotsmieten weiterhin unter Druck bleiben.

Beim Wohneigentum zeichnet sich keine Umkehr der bisherigen Trends ab. Das Angebot an Einfamilienhäusern, aber auch das Angebot an Eigentumswohnungen ist bereits seit längerer Zeit eher knapp. Der Trend, eine Eigentumswohnungen zu kaufen, um sie dann zu vermieten («buy to let»), verringert das Angebot an Wohneigentum zusätzlich. Gemäss Wüest Partner wird beinahe jede vierte Eigentumswohnung zu diesem Zweck erworben.

Deutlich schwieriger zeigt sich die Lage für Geschäftsliegenschaften. Durch die Schliessung der Läden hat der Onlinehandel nochmals einen Schub erhalten. Das dürfte den Strukturwandel im Detailhandel, der bereits vor der Krise im Gang war, weiter beschleunigen. Eventlokale haben es zudem auf absehbare Zeit sehr schwer, da weiterhin unklar ist, wann grosse Veranstaltungen wieder erlaubt sein werden. Viele Firmen machten durch die ausserordentliche Situation erste Erfahrungen mit Homeoffice-Modellen. Büros werden sicherlich auch in Zukunft eine Rolle spielen, doch das Arbeiten von zu Hause aus dürfte weiter zunehmen und so die Nachfrage nach Büroflächen beeinflussen. Dies könnte auch bedeuten, dass die Menschen mehr Wohnfläche benötigen, um sich zu Hause einen Arbeitsplatz einzurichten.

Die Handelszeitung sieht positive Folgen der Corona-Krise: «Corona entlastet den Immobilienmarkt», titelt die Handelszeitung. Immobilien in der Schweiz sind jenseits der Ballungsräume deutlich günstiger. Die Entwicklung zum dauerhaften Homeoffice öffnet neue Optionen. Immobilien in der Schweiz seien billig. Teuer seien Immobilien nur in den wirtschaftlichen Ballungszentren. Das ist unter anderem so, weil die meisten Menschen relativ nahe am Arbeitsort wohnen wollen, damit sie nicht zu viel vom Tag mit Pendeln verbringen müssen. Lange Strecken pendeln macht unglücklich, frisst Freizeit, belastet Partnerschaft und Familienleben. Und hier rechnet man mit einer Trendwende infolge Corona.

In der NZZ war ebenfalls zu lesen: «Corona fordert den Immobilienmarkt heraus – aber anders, als man meinen könnte. Der Digitalisierungsschub, den die Covid-19-Pandemie ausgelöst hat, verändert die Ansprüche, die wir an unser Heim, unser Büro und an Einkaufsläden stellen. Das wird den Immobilienmarkt nachhaltig verändern.»

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